Wie geht es weiter mit der gesetzlichen Rente?

Diese Frage stellen sich nicht nur die heutigen Rentner, sondern auch immer mehr junge Menschen. Eines steht fest, aufgrund der demografischen Entwicklung Deutschlands verschiebt sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern immer mehr. Oder anders gesagt, immer weniger Menschen, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, müssen immer mehr Menschen, die eine Rente bekommen finanzieren. Das dieses System so nicht ewig funktionieren kann leuchtet sehr schnell ein. Bereits heute benötigt die gesetzliche Rentenversicherung jährlich ca. 80 Mrd. Euro an Bundeszuschüssen, finanziert aus Steuermitteln, um ihre Ausgaben zu decken, da die normalen Beitragseinnahmen alleine nicht ausreichen.

Somit bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten, um die gesetzliche Rente zukunftsfähig zu machen.

  1. Ausgaben senken – Die zukünftigen Renten werden deutlich gesenkt
  2. Einnahmen erhöhen – Der Beitragssatz (derzeit 18,7% vom Bruttoeinkommen) steigt spürbar

 

Beide Wege sind politisch kaum durchsetzbar. Ca. 35% aller Wahlberechtigten sind älter als 60 Jahre (Tendenz steigend), so dass es für jede Partei politischer Selbstmord wäre eine Rentenkürzung zu fordern. Zumal das gegenüber der älteren Generation auch kaum zumutbar ist.

Eine Erhöhung des Beitragssatzes führt zu steigenden Lohnnebenkosten und verteuert somit die in Deutschland produzierten Waren und Dienstleistungen. Die steigenden Preise müssten alle Deutschen bezahlen. Darüber hinaus sinkt die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich, was zu weniger Aufträgen für die Firmen und steigenden Arbeitslosenzahlen führen wird.

 

Wirtschaftswissenschaftler sprechen sich deshalb für eine dritte, sicher ebenfalls nicht sonderlich populäre, aber am ehesten umsetzbare Möglichkeit aus. (https://www.welt.de/wirtschaft/article167681074/Oekonomen-praesentieren-einen-neuen-Koenigsweg-bei-der-Rente.html)

Kurz gesagt, soll das Renteneintrittsalter erhöht werden, wodurch zwei Effekte auftreten. Einerseits wird die Phase, in der Menschen in die Rentenversicherung einzahlen verlängert (Erhöhung der Einnahmen) und gleichzeitig die Phase des Rentenbezugs verkürzt (Reduzierung der Ausgaben). Dadurch soll wieder ein „normales“ Verhältnis zwischen beiden Phasen erreicht werden.

In den 70er & 80er Jahren war es, vereinfacht dargestellt so, dass ca. 40 Jahre eingezahlt und ca. 10 Jahre entnommen worden ist. Heutzutage wird durchschnittlich ebenfalls ca. 40 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Aufgrund der längeren Lebenserwartung (medizinischer Fortschritt, bessere Arbeitsbedingungen, usw.) dauert die Rentenbezugsphase jedoch 15 – 20 Jahre, mit entsprechenden Mehrkosten für die Rentenversicherung.

Ich möchte nun gar nicht in die Diskussion einsteigen, in welchen Berufen mit welchen Besonderheiten überhaupt bis 67 oder 70 gearbeitet werden kann. Da wird sicher jeder seine eigene Meinung haben.

 

Eines zeigt diese Kurz-Analyse der aktuellen IST-Situation aber sicher ganz deutlich. Die gesetzliche Rentenversicherung alleine kann lediglich ein Bestandteil der jeweiligen persönlichen Altersvorsorge sein. Egal ob wir nun mit 67 oder 70 in Rente gehen oder ob das Rentenniveau 43 oder 45% des durchschnittlichen Gehaltes beträgt, ein schöner Lebensabend wird nur mit der gesetzlichen Rente kaum finanzierbar sein.

Aus diesem Grund ist eine zusätzliche private Altersvorsorge für fast jeden zwingend notwendig. Und das unabhängig davon, ob man Lust auf das Thema hat oder nicht. (http://magazin.tecis.de/altersvorsorge-check-statt-schreck/)

Als private Altersvorsorge bieten sich bspw. folgende Varianten an:

  • Riester
  • Basisvorsorge
  • betriebliche Altersvorsorge
  • flexible Lebens- oder Rentenversicherung
  • Immobilie (selbstgenutzt oder vermietet)
  • Investmentfonds oder Einzelaktien

Jedes Produkt hat seine spezifischen Vor- und Nachteile die individuell abgewogen und geprüft werden sollten. Oftmals ist auch eine Kombination von mehreren dieser Optionen empfehlenswert. Pauschale Aussagen welches Produkt das Beste ist, sind nicht möglich.

 

Zwei Aussagen lassen sich jedoch pauschal treffen:

  1. „Je höher die Rendite, desto niedriger ist der jeweils benötige Sparbeitrag!“

Eine Verzinsung von durchschnittlich mehr als 5% pro Jahr ist zwingend notwendig, um unter Berücksichtigung von Inflation und Steuern die benötigten Sparbeträge halbwegs finanzierbar zu halten. Deshalb scheiden Tages- und Festgeldkonten sowie Bausparverträge und nicht fondsgebundenen Lebensversicherung mittlerweile als Altersvorsorge aus.

2. „Jedes Finanzprodukt muss regelmäßig auf den Prüfstand, um zu kontrollieren, ob es noch zur jeweiligen Lebenssituation passt!“

Genau wie jedes Auto alle zwei Jahre zum TÜV muss oder die meisten einmal pro Jahr zur Zahnkontrolle gehen, sollte man sich auch mit seinen Finanzprodukten mindestens alle 1-2 Jahre kurz befassen und sich bei der Altersvorsorge bspw. folgende Fragen stellen:

  • Hat sich in meinem Leben etwas geändert (Gehaltserhöhung, Hochzeit, usw.), weshalb ggf. eine Anpassung notwendig wird?
  • Nutze ich alle staatlichen Förderungen?
  • Erwirtschaften meine Produkte die gewünschte Rendite?
  • Werden meine Beiträge und Guthaben auch zukünftig gut verzinst investiert oder sollte ich meine Anlageentscheidung anpassen?

 

Bei der regelmäßigen Überprüfung Ihrer Produkte und der Beantwortung dieser und weiterer Fragen unterstützen Sie gut ausgebildete Finanz- und Anlageberater sicher gerne. Achten Sie aber darauf, dass diese die sowohl im Versicherungsbereich (§34d Abs. 1 GewO) als auch im Investmentbereich (§34f Abs. 1, Satz 1, Nr. 1 GewO) gesetzlich vorgeschriebenen Qualifikationen besitzen und regelmäßig Weiterbildungen besuchen. Nur so erhalten Sie qualifizierte Aussagen!

 

Investieren Sie ruhig jährlich ein paar Stunden in Ihre Finanzen. Schließlich geht es um Ihr Geld und um Ihre Altersvorsorge!

 

„Es ist besser, einen Tag im Monat über sein Geld nachzudenken, als einen ganzen Monat dafür zu arbeiten.“ (John David Rockefeller)